Die Tage bekam ich über Xing einen Newsletter zu einer Zaubershow in Berlin „Saturday Night Magic: Mehr als nur Zauberei“. Das klang sehr interessant, also habe ich mich schlau gemacht wo die Veranstaltung ist und wer die Jungs von Saturday Night Magic sind. Im Netz findet man je eine Homepage von Alpar Fendo und Kolja Karo, beide Seiten machen einen professionellen Eindruck und vermitteln dem Besucher das Gefühl, hier sind Profis am Werk. Der eine eine ist Anwalt und Hobbyzauberer und der andere bietet Zauberkunst & Bauchreden, eine vielversprechende Mischung. Somit verabredete ich mich mit einem Zauberfreund und bewaffnet mit Notizbuch und unseren in Zaubersachen „laienhaften“ Partnerinnen gingen wir zur Show.

Das Motto von Saturday Night Magic – Comedy trifft Zauberei. Das klingt erstmal vielversprechend. Einmal im Monat verwandelt sich das Kino am Helmholtzplatz in einen Ort, „an dem Sie an Ihren Sinnen zweifeln dürfen und Ihr Zwerchfell strapaziert wird, in exclusiver Runde von maximal 30 Gästen sind Sie ganz nah dran, wenn kleine Wunder direkt vor Ihren Augen oder in Ihren Händen geschehen. Sie werden freundlich getäuscht, magisch gefesselt und charmant unterhalten.“ Na das kommt mir doch sehr bekannt vor, als Mitbegründer vom Close-up Club Berlin ist es ja schon ein Muss mir die Show anzuschauen.

Saturday Night Magic – Die Location

Das Film Café direkt am Helmholtzplatz ist ein angenehme Location mit Bar, leckeren Snacks und Drinks. In einem kleinen fast schon privaten Kinoraum bietet es Platz für 30 Gäste, auf jeden Fall eine gute Einstimmung für die bevorstehende Show.

Saturday Night Magic

Der Ankündigungstext als Geheimtipp impliziert mir auf jeden Fall, dass die Jungs wissen was sie tun und es so schlecht nicht sein kann. Bei einem Eintrittspreis von 14 Euro sollte man dies auch erwarten.

Alpar Fendo und Kolja Karo waren bisher noch ein Geheimtipp unter Kennern der magischen und subkulturellen Szene, sah man die Show noch vor kurzem in einem Comedy Club, beschlossen die beiden einen Schritt weiter zu gehen. Denn jetzt ist die Show um einen medialen Aspekt erweitert; die Plattform hierfür bietet das Kino Filmcafé …

Kaum an der Location angekommen, wurden wir, von einem uns unbekannten Typ angesprochen: „Hallo ich bin Kolja, wollt Ihr zur Show, ja – schön, dann gleich eine Aufgabe für euch zum mitmachen …“ Und schon waren wir ins Gespräch verwickelt und auf die weitere Show gespannt und ahnten, das eben dieser Typ wohl einer der Akteure ist.

Die Show – Saturday Night Magic

Alle Gäste waren im Raum, das Licht wurde gedimmt und es begann mit einem kurzen Trailer Saturday Night Magic. Zu der Musik von „Shaft“ morphte die Berliner Skyline, im besonderen der Fernsehturm zwischen Scherenschnitt, Häschenkopf und Cocktailspieß, alle waren gespannt, es geht los – Comedy trifft Zauberei.

Applaus, die beiden Künstler betreten die Bühne, sofort geht es weiter mit dem Copperfield Gag und dem Armdrehen; ein paar Ansagen und dem Spruch „Comedy trifft Zauberei, wenn also mal was nicht lustig ist, dann war das Zauberei“. Der erste Zuschauer wird nach vorne gebeten, es folgt ein kleiner Kartentrick, der gleich fließend in den nächsten übergeht, ein weiterer Zuschauer wird mit eingebunden und der Abend nimmt seinen Lauf. Gefolgt von einem kurzen Effekt mit Geldscheinen und der Scheinerklärung über Falschgeld, verlässt der erste Künstler auch schon wieder die Bühne.
Es kommt sein Kollege, er begrüßt eine bestimmte Zuschauerin (Heike), welche er bei einem früheren Event schon mal getroffen hat und möchte gerne mit ihr das nächste Kunststück probieren. Plötzlich geht es um Esotherik, Emotionen und Entscheidungen. Die Zuschauerin bekommt einen geschlossenen Briefumschlag mit einer Vorhersage. Er holt ein Tarotspiel heraus, erklärt dieses und die Deutungen einzelner Karten, es wird gemischt und nun die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bestimmt. Natürlich stimmt dies mit der Vorhersage überein.
Wechsel, der Kollege kommt wieder, somit folgt auch ein krasser Bruch. Esotherik, von der Heike eben noch sichtbar angetan war, zu Comedy. Wieder wird eine Zuschauerin gesucht, nach dem Namen gefragt und siehe da, Heike ist schon wieder dran. Dies war sicherlich nicht beabsichtigt, doch sollte es vermeidbar sein. Nun kommt ein Klassiker „Paper Balls over the Head“, der Einstieg über die Rechtsberatung ergibt nun auch Sinn, denn schließlich ist der Kollege im wahren Leben als Anwalt tätig, huch jetzt muss ich auch noch aufpassen was ich hier schreibe 🙂 Die folgende Routine mit der Toilettenpapierrolle und manchen Anspielungen dazu fand ich nicht so schön und deswegen schreib ich auch nichts dazu.
Alpar betritt nun wieder die Bühne, erzählt von den Romanen von Jules Verne, damals noch Utopie, heute durchaus realistisch. Erzählt von Morgan Robertson und seinem Buch „The Wreck of the Titan“ und die Zauberer unter euch ahnen es bestimmt, es folgt ein Buchtest.

Danach ist Pause, knapp 55 Minuten kurzweilige Spielzeit sind vorbei. Während wir noch die Treppe hinauf gehen höre ich wie sich ein Pärchen über die Kunststücke unterhält. Als Zauberer ist dies ja doppelt interessant, einerseits gibt es Feedback und andererseits sieht man, ob die Ansatzpunkte zu den Lösungen eines Kunststückes stimmen oder eben nicht. Daran merkt man erst, ob das Kunststück, die Präsentation, Ablenkung oder die Psychologie die dahinterstecken funktionieren.

Nach der Pause ging es mit einem abwechslungsreichen kürzeren Teil weiter. Ein ausbaufähiger Geldschein in Zitrone Trick, hier wäre ein Besuch des Seminars von Martin Sierp interessant, der sich wirklich enorme Gedanken zu diesem Kunststück gemacht hat. Es folgten noch eine Schwammballroutine, ein weiteres kleines Kartenkunststück, die Blindenschrift (New Wave Close-up lässt grüßen), eine Chop Cup Routine und ein gemeinsames Schlusskunststück. Womit sich der Kreis zu der persönlichen Begrüßung des Typen und unserer Ahnung auch wieder schließt. Dies war nun der Part wo die Zuschauer gefragt waren. Das Finalstück war zwar nicht besonders magisch, birgt aber dafür eine gewisse Comedy und ein wohl, für eine Zaubershow unerwartetes aber vorhersehbares Ende, welches ich auf Wunsch der beiden nicht erwähne. Der Abspann dann wieder per Film.

Fazit
Die 20 Minuten Verspätung sind im Trubel untergegangen, dafür hat die Zeit bei der Begrüßung für die Namen der Künstler nicht mehr gereicht. Mit den Namen hatten es die beiden sowieso nicht so, wenn sie schon die Zuschauerin zum zweiten Male hintereinander nach vorne bitten und dann auch noch mehrmals nach dem Namen fragen müssen, kommt der Gag „ach immernoch Heike“ nicht wirklich so gut. Ich kann nun auch Alexander de Cova immer besser verstehen, wenn er sagt, dass so vieles auf Kosten der Zuschauer geht, denn das Zuschauermanagement gefiel mir an manchen Stellen überhaupt nicht. Manchmal hatte ich den Eindruck, hier wurde auf eine schnippische Art und Weise gezeigt „das kannst du nicht, du Zuschauer!“
Comedy trifft Zauberei und dies hat sie wirklich, die Zauberei getroffen, denn mit zu vielen Gags und lustigen Bemerkungen wird die Zauberkunst letztendlich nicht mehr ernst genommen und das „Magische“ verliert und geht unter. Es gab sehr interessante und ausbaufähige Ansatzpunkte, ob nun bei dem Esotherikspiel, dem Buchtest oder dem Schlusskunststück. Doch wenn ich bei einem Eintrittspreis von 14 Euro höre, dass die meisten Kunststücke zum ersten mal vorgeführt wurden, finde ich es schade, dies dem Zuschauer an zu tun. Ich wäre hier mit meinen Worten sicherlich gewählter umgegangen, wenn es die erste Veranstaltung der beiden gewesen wäre. Doch nach eigenen Aussagen machen sie dies schon eine Weile und da waren es mir einfach zu viele Pannen die passierten. Wenn ich an die Anfangszeiten im Close-up Club denke, hatten wir zumindest immer einen roten Faden, der durchs Programm führte. Auch die Kunststücke waren nicht einfach nur hintereinander gezeigt, sondern immer mit speziellen Übergängen.

Also als Geheimtipp würde ich es jetzt nicht bezeichnen, im Vergleich zum Verlängerten Wohnzimmer oder dem Close-up Club hinken die Jungs noch etwas hinterher. Es ist eben ein Unterschied ob ich mit einem Programm professionell und vor allem regelmäßig auftrete, oder eben nur einmal im Monat. Aber ich denke die beiden arbeiten daran, vielleicht sehen wir beim nächsten mal ja etwas mehr aus dem Bauchrednerrepertoire von Alpar, dies hätte mich auf jeden Fall noch interessiert und wäre dann auch mal eine „Nichtzaubernummer“ gewesen.

Ich wünsche den beiden noch viele kreative Shows, genügend Möglichkeiten zum üben und viel konstruktive Kritik an der man arbeiten kann. Vielleicht gebt ihr mir bei einer neuen Show bescheid, dann schaue ich mir diese gern an 🙂

P.S. Bilder werden noch nachgereicht, diese bekomme ich erst noch.
update 08.06.2010: die beiden haben keine Freigabe für Bilder erlaubt.

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