Als Zauberer in Berlin hat man es manchmal nicht leicht, wird man doch für Veranstaltungen gebucht, ohne zu wissen, welches Publikum erwartet mich? Was für eine Fan Gemeinde sitzt unter den Gästen und wie wird sie reagieren? Ok, wäre ich Mentalist, würde ich kurz meine Gedanken schweifen lassen und schon …

Ich war für eine kleine Veranstaltung gebucht, der Termin kam übers Internet zustande, also habe ich mir den Tag im Kalender eingetragen. So wie ich es als Zauberkünstler immer mache, würde ich eine Führung durch Berlin geben, könnte ich die Hotels oder Locations zeigen, in denen ich bereits aufgetreten bin. Im Kalender dagegen gibt es keine Feiertage oder Ferien, sondern nur die Veranstaltungstermine oder eben Messen und Kongresse auf den ich als Zauberer und Hütchenspieler gebucht bin. Da kann es schon mal passieren, dass ich früh morgens, also gegen 13.00 Uhr, bewaffnet mit meinem Einkaufszettel und ein paar leeren Cola Flaschen vor dem Supermarkt stehe, der aber zu ist. Später im Laufe des Tages telefonierte ich mit einem Freund und habe festgestellt heut ist Feiertag, aha. Das ist dann wieder der Vorteil an Berlin, da hat doch immer irgendwas auf, denn ich hasse es an der Tanke noch was einkaufen zu gehen. Womit ich auch nur sagen möchte, als Zauberkünstler lebt man eben etwas zeitlos, oder vielmehr mit verschobenen Arbeitszeiten, was ja verständlich ist, wird man meistens an den Wochenenden und erst spät abends gebucht. Da kommt es schon mal vor, dass ein Freund mit etwas verschlafener Stimme zu mir sagt, „Keule es ist halb elf, ich muss morgen früh um sechs wieder raus, warum rufst du jetzt noch an“. Ups

Zauberer in Berlin, Fußball und Song Contest

Worauf ich aber hinaus möchte ist meine Veranstaltung. Der Gastgeber erwähnte bei der Begrüßung nebenbei, wir werden dann noch einen Beamer aufbauen, die Gäste sind schon ganz gespannt. Hm, worauf denn? Auch wenn ich mich nun oute, ich bin kein wirklicher Fußballfan, daher also die Kannonenschüsse oder Feuerwerke bei einem Tor. Aber gut angefühlt hat es sich schon, wenn man angesagt wird und dann erstmal ein paar Kannonenschüsse fallen 🙂 Das erklärt auch manche Jubelrufe aus der Nachbarschaft, wenn ein Tor für Deutschland gefallen ist, aber man ist ja Profi und kann mit solchen Szenen umgehen.

Nach meiner Zaubershow war dann auch sofort der, fast ausschließlich männliche Teil, der Gäste im Haus verschwunden, da lief ja der Fernseher. Somit trank ich erstmal was, plauderte mit ein paar Gästen und präparierte mich dann als Close-up Zauberer für den zweiten Teil. Alles verlief bestens, so lange sollte ich ja nicht machen, nur noch ein paar Kunststücke aus nächster Nähe, zum Anfassen und selber erleben, eben mal was ganz anderes als im Fernsehen. Nebenbei wurde der Beamer aufgebaut, somit war mir auch klar, mit Zugaben muss ich nun nicht rechnen, gegen Fußball hab ich keine Chance. Doch weit gefehlt, es kam gar kein Fußball, schließlich gab es da noch den Eurovision Song Contest.

Gestern war offensichtlich bundesweit Ausnahmezustand, Großkampftag und allgemeiner Jubel, die Deutschen gewannen auf der ganzen Ebene. Im Fußball ein 3:0, beim Boxen verteidigte Klitschko erfolgreich seinen Titel und beim Song Contest siegten wir, dank Lena, wie seit langem nicht mehr. Schön. Das erinnert mich ein bisschen an die WM hier in Berlin, die Busfahrer waren freundlich, die Taxifahrer sprachen englisch und eine super angenehme Stimmung lag in der Luft, so als seien wir alle eine große glückliche Familie. Und ich dachte mir, jetzt fehlt nur noch die damalige Werbung „Du bist Deutschland“. So und nun kann der Sommer endlich kommen – in diesem Sinne noch einen schönen Sonntag.

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