Die besinnlichen Tage sind vorbei und da gab es jemanden der nicht nur die letzten Tage genutzt hat um über einiges nachzudenken. Mich erreichte eine Mail von meinem Zauberfreund Alexander de Cova und seine Zeilen machen mich betroffen, nachdenklich und auch sehr traurig. In der deutschen Zauberszene dürfte ihn fast jeder kennen, er hat zig Videos/ DVD´s produziert, einige Bücher geschrieben und unzählige Seminare gegeben. Mir war er lange Zeit ein geduldiger Mentor, Zauberkollege und guter Freund.

Alexander de Cova – Richtungswechsel

Nun sind es genau 25 Jahre, in denen ich mich in der Welt der Zauberei getummelt habe (Amateurzeit nicht mitgerechnet)…

25 Jahre – das ist dann doch eine recht lange Zeit. Ich konnte in diesem Abschnitt meines Lebens hunderte tolle Sachen erleben, habe unzählige Leute kennengelernt, zigmal meinen Wohnsitz gewechselt, interessante Länder bereist und in denen auch gewohnt, unendlich viel unglaublich gute Zauberkunst erleben dürfen, ich durfte viele tolle und auch einige weniger tolle Shows bestreiten, habe zig private Beziehungen verloren, weil ich stur an der Zauberkunst festhielt und die Kunst für wichtiger hielt. Ich habe ich weiss nicht mehr wie viele „Stars“ kommen und gehen sehen, habe erlebt, wie „Freunde“ zu „Feinden“ wurden, habe sozusagen Pferde kotzen sehen, wie man so schön sagt. Ein echtes Künstlerleben, wie man es sich besser nicht mehr vorstellen kann.

Ich bereue fast nichts, auch nicht eine Sekunde. Es war grösstenteils schön (man erinnert sich ja immer nur an die guten Sachen…), es war hart, aber bisher war es eben mein Leben.

Aber jetzt ist Schluss damit.
Ich wurde krank in dieser Zeit. Nicht nur körperlich, sondern (und vor allem) psychisch. Habe die Augen zugemacht und wollte es nicht wahrhaben. Mir selbst etwas vorgemacht. Anfangs merkte ich das nicht, aber in den letzten Jahren wurde es mir immer bewusster. Ich verlor irgendwann die Motivation. Ich fing zeitweise an, Zauberei zu „hassen“. Ich fühlte mich leer. „Freunde“ meldeten sich nur noch, wenn sie etwas brauchten. Ich erhielt immer mehr „weise und doch nur gutgemeinte Ratschläge“. Mein Körper präsentierte mir ohne Vorwarnung einen Warnschuss. Burnout.

Schwere Zeiten

Da sass ich irgendwann, wenn ich nicht grade ein paar Auftritte, Lectures oder sonstwas zauberisches zu tun hatte, immer öfter alleine in meiner Küche herum. Fing an zu trinken. Gott sei Dank keine Drogen. Aus Frust? Aus Langeweile? Vielleicht um „dieses kleine Kind (oder Lamm?)“ in mir abzutöten? Wer weiss. Aber ich sass alleine da und rutschte in eine – schwere Depression.

Gerade noch rechtzeitig vor dem kompletten Absturz kam die Musik in mein Leben, und das Instrument (in meinem Fall das Akkordeon) hielt (und hält) mich aufrecht. Entfachte wieder diesen Funken in mir, dieses kleine Feuer, das bei mir in der Zauberei inzwischen fast verloschen war. Ich lernte eine neue Szene kennen, sah, dass ich nicht „nur“ zaubern konnte…

Mein Akkordeon und ich

Die Musik war nie wie die Zauberszene. Nur wenn ich gut übte, klang es auch gut. Fair. Keine leeren Versprechungen, keine Falschheit, nichts. Auch hat mein Akkordeon nie schlecht über mich geredet. Es hat nur schlecht geklungen, wenn ich es schlecht behandelt habe, d.h. wenn ICH schlecht gespielt habe. Ebensowenig wie die Musiker, mit denen ich bereits spielen durfte. Da konnte ich endlich Alex, der Mensch sein. Da hat mich niemand verurteilt, niemand dumme Sprüche hinter meinem Rücken gerissen. Sie haben einfach mit mir gespielt. Und das schön! Es geht um die Musik und nicht um dummes Gerede und unnötiges Drumherum. Jeder Musiker erkennt sofort – und der Zuhörer auch – ob jemand spielen kann und ob er es aus dem Herzen tut. So einfach. Kein durchmogeln mit gekauften Gimmicks, die einem die Arbeit abnehmen…

Zauberer rund um mich herum

In den letzten Jahren starben leider auch sehr viele meiner engsten Zauberfreunde. Ich habe das bis heute seelisch nicht wirklich verarbeitet bzw. verkraftet. Klar – Menschen sterben, und das ist ein normaler Prozess. Aber ich trauere ihnen immer noch nach. Vermisse die wirklich guten Zeiten und Gespräche. Vermisse die Kongresse, wie sie früher waren. Ich finde mich nicht mehr so gut zurecht in der modernen „Kongresswelt“. So schön, zauberisch, spannend und menschlich wie es mal war, wird es wahrscheinlich nicht mehr sein. Doch gerade der Tod einiger Zauberfreunde hat mich aufgewühlt, angestachelt und in irgendeiner Art sogar „motiviert“, jetzt einen anderen Weg zu gehen. Es hat mich verändert. Vielleicht meine Art, mit diesen Verlusten umzugehen.

Der Entschluss, jetzt endlich auszusteigen aus dieser Szene und eine Pause zu machen, Abstand zu gewinnen und neue Kraft zu schöpfen, zögerte sich unendlich lange hinaus. Zigmal hatte ich ja immer wieder die Ausrede, dass ich „ja noch das und das machen muss… etc. etc.“

Der Zauberfreund Alex

Ich bin nicht mehr glücklich als Mensch und Künstler Alexander. Ich habe die letzten Jahre nur noch wie eine Maschine für die Zauberszene funktioniert, so gut es eben ging. „Alex, du musst mir helfen, ich brauche dies, ich brauche das…“ Und Alex hat geholfen. Immer. Ich habe nicht mehr an mich gedacht, nicht mehr an den Alex als aktiven Künstler, sondern nur noch an die Szene, an die anderen und deren Bedürfnisse.

Ich fühlte mich sehr oft verletzt von dummen, nicht überlegten Sprüchen, wurde von Neidern gestalked, man lachte über mich, machte sich lustig. „Hahaha… haste schon gehört… der de Cova wieder…“ usw. usw. Ich habe das all die Jahre immer wieder in mich hineingefressen, es heruntergeschluckt (und nachgespült!). Mein Körper hat mir jetzt die Grenzen aufgezeigt und die Quittung präsentiert. Und selbst so ein vernarrter Afficionado wie „de Cova“ kann solche Warnschüsse nicht länger ignorieren. Vielleicht habe ich es mir zu sehr zu Herzen genomme3n, keine Ahnung.

Auszeit von der Zauberkunst

Jetzt heisst es für mich nur noch: raus aus einer Szene, die sich schwer verändert hat – aus meiner bescheidenen Sicht zum schlechten. Die rücksichtlos geworden ist. In der Können und Respekt Fremdworte geworden sind. In der leider nicht mehr diejenigen Menschen anwesend sind, die ich mal kannte und vor denen ich sogar jetzt noch Respekt habe. Denen ich vertrauen konnte. Die weise und wohlüberlegte Dinge sagten, die die Kunst genauso bedingungslos liebten wie ich. Und die sie verdammt nochmal auch BEHERRSCHTEN.

Heute finde ich mehr und mehr arrogante, nicht-viel-wissende Möchtegern-Zauberer, die sich mit einer Selbstverständlichkeit breitmachen, die mir unverständlich ist. Die ihre grade neu gewonnenen Erkenntnisse auf Youtube und anderen aktuellen Medien kundtun. Die gedankenlos Tricks verraten um ihr Ego zu kühlen oder aus was für Gründen auch immer. Die keinerlei ernstzunehmende Bühnenerfahrung haben. Die sich aber gebärden, als gehörte diese (Zauber)Welt jetzt ihnen.

Es wird raubkopiert, geklaut und verhökert, was das Zeug hält. In den entsprechenden Foren darf jeder anonym auch noch seinen Kommentar dazu abgeben. Es wird „professionelles Entertainment“ angeboten – zu Dumpingpreisen, teilweise umsonst – Mobbing inbegriffen. Magische „Babies“ verkaufen sich als „Profis“…

Veränderung in der Zauberszene

Auch in den Klubs und Vereinen finde ich mehr und mehr Besserwisser und Dummschwätzer vor. Die meisten können zauberisch nicht wirklich was, ausser einem: den Mund voll nehmen. Absolute Laien werden inzwischen in Klubs aufgenommen, damit der Präsident seinen Klub als „erfolgreich“ hinstellen kann. Quantität vor Qualität. Zaubergeheimnisse werden rücksichts- und verantwortungslos in den Medien präsentiert, nur um sich selbst wichtig zu machen, bzw. des Geldes wegen.

All dies hat mich nicht nur krank, sondern auch sehr verbittert gemacht. Ich fing schon an, an meiner eigenen Arbeit und Einstellung zu zweifeln. War ich wirklich schon zu „alt“? War ich wirklich zu „konservativ“? Heute weiss ich es besser. Ich habe in den letzten 25 Jahren dieser Szene sehr viel gegeben, so gut wie nichts dafür zurückbekommen und meine Gesundheit hat darunter gelitten. Es hat mich regelrecht ausgebrannt. Burnout.

Ich werde in Kürze mich von all den (Zauber)Sachen trennen, die ich für mein zukünftiges Leben nicht mehr benötige. Ich möchte Platz schaffen für die neuen Dinge in meinem Leben. Den Ballast abwerfen, wieder frei sein, um neue Wege gehen und neue Projekte angehen zu können. Ausmisten, entrümpeln, „klar Schiff machen“ und mich von der Vergangenheit lösen. Diese Dinge werden dann auf dieser Site angeboten. Vielleicht ist für den einen oder anderen etwas brauchbares dabei, was ihm Spass und Freude bereitet.

Das neue Jahrzehnt (und damit für mich fast schon so etwas wie ein neues Leben) so zu beginnen, finde ich einen guten, gangbaren und konsequenten Weg und vor allem auch einen passenden Zeitpunkt.

Gibt es noch eine Zukunft der Zauberei? Meine Sicht der Dinge: Na klar, aber sicher! Aus meiner Sicht müssten nur die meisten (nicht alle!!!) der zukünftigen und jetzt aktiven Generation erstmal was richtig von der Pieke auf lernen. So richtig lernen und üben. Hintergründe und Geschichte am besten gleich mit dazu. Und Respekt…

Es gibt so einen Satz: „Wenn man etwas liebt, muss man es loslassen“. Genau das werde ich jetzt tun – endlich loslassen. Auch wenn es mir nach all der Zeit sehr schwer fällt, das gebe ich zu.

Gott sei Dank waren nicht alle Menschen um mich herum schlecht, und ich bin umgeben von ein paar wenigen ganz lieben Menschen, die den Alexander in mir sehen, und nicht nur den „de Cova“. Ich bedanke mich von Herzen bei allen jenen, die all die Jahre mir die Treue gehalten haben. Die hinter mir standen und mich verstanden. Die mich immer wieder aufmunterten und mir in schwierigen Zeiten halfen. Das sind nur sehr sehr wenige. Diejenigen, die damit gemeint sind, wissen es. Die anderen mögen schweigen.

Auf eine bessere Zauberszene im neuen Jahrzehnt! Es lebe die Zauberkunst!

Alexander de Cova

Nachtrag: Wenn ihr jetzt wissen wollt wie es mit Alex in 2015 weiter geht schaut einfach mal beim Alexander de Cova Seminar vorbei.

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