In meiner Ankündigung über das „Hotel Houdini“ hatte ich ja schon gesagt, dass ich mir das Programm mal anschaue. Alea iacta est. Also waren wir in der letzten Show. Special Guest „Braco“ – in der Berliner Zauberszene kein unbekannter, sollte Anlaß genug sein, denn so schnell sieht man ihn bestimmt nicht wieder zaubern. Die Location war das „Verlängerte Wohnzimmer“ in der Frankfurter Allee, mit einer kleinen Bar, Sofas und Sesseln aus Großvaters Zeiten, vorallem aber mit gemütlicher, wenn auch etwas verrauchten Atmosphäre.

Nachdem die Klingel zum Einlaß rief suchte sich jeder seinen Platz. Freie Platzwahl erschwerte es wohl dem ein oder anderen „Laien“, denn kaum einer will bei einer Zaubershow vorne sitze, warum eigentlich? (Es muss doch nicht jeder aus der ersten Reihe auf die Bühne.) Ein paar Plätze waren noch frei, sonst war das „Verlängerte Wohnzimmer“ ganz gut besucht, was ja schon mal für die Show spricht, schließlich läuft sie seit April.

Mit dem Start einer flotten Musik ging das Licht aus und die Show begann. Christian de la Motte kam auf die Bühne, begrüßte charmant das Publikum, bewegte sich ein paar Takte zur Musik und erzählte dann etwas über das Hotel Houdini und die Show. Die letzten Takte der Musik abwartend waren die Zuschauer nun so zu sagen im Foyer des Hotels. Knall, eine Tür fiel ins Schloss und der zweite Akteur betrat die Bühne, begrüßte seinen Kollegen, fragte ob es los gehen kann, bat um Musik und übernahm nun nochmals mit ausschweifenden „exostisch“ tänzerischen Bewegungen die Begrüßung des Publikums. Nachdem man die Person an sich, dessen Schuhe und diese geballte Ladung „Yupp“ mit nochmaliger Christians wortgetreuer Begrüßung schmunzelnd verarbeitet hatte, begannen nun beide „im Duett“ moderierend loszulegen. In dem Moment lehnte ich mich zurück und dachte mir: „wird eine interessante Show“.

Nun ging es an die Zauberei, ein Klassiker – das Ringspiel wurde gezeigt und natürlich musste hierzu auch der erste Zuschauer als live Gast aus Las Vegas auf die Bühne. Doch keine Angst, Christian war souverän auf dessen Seite und die beiden zauberten zusammen ohne faule Gags und das Publikum kam auf seine Kosten. Gefolgt von einer spektakulären, wenn auch etwas langen Nummer, versuchte sich Christian nun an einem Mental Kunststück mit gewissen „Risiken“. Denn es ging darum einen nach oben stehenden Nagel unter einem Pappbecher zu finden, dies allerdings mittels einem Schlag der Handfläche auf die Becher. Und welcher Zauberer verzichtet schon gerne auf seine rechte Hand! Durch ein paar, meiner Meinung nach überflüssigen Gags und einen dadurch etwas zähen Verlauf zog sich das Kunststück und verlor somit auch an „Magie“. Doch dann kam Energie geladen und genauso flippig wie zuvor Yupp auf die Bühne, ein Typ zwischen Straßenkünstler, Fips Assmussen und zaubernder Entertainer. Und dies meine ich ernst, denn er versprühte mit einem Charm wie „Willi“ aus „Biene Maja“ alte Gags und Witze, unterhielt das Publikum durch das gewisse „Etwas“. Nur kam man eben nicht dazu über ihn nachzudenken, denn ständig änderte sich etwas an seinem Outfit, seiner Person und man wurde von ihm richtig angesteckt. Es folgten ein paar kleinere Effekte, eine schöne „visuelle Trennung des Oberkörpers von seinen Beinen“ und dann versuchte auch er sich an Mentalmagie, natürlich immer mit irgendwelchen lockeren Sprüchen.

Im zweiten Teil gab es dann den angekündigten Gast, Braco mit seinem Ringspiel aus Seilen, sehr souverän und elegant zu Musik vorgeführt. Da hat man wirklich mal gesehen, was so einen Profi ausmacht und vorallem das interessante für Zauberer, was offensichtlich alles in Braco steckt.

 

Fazit
Die Show verlief rund, hatte ihren roten Faden, man merkte die beiden sind Profis, dementsprechend war es auch ein professioneller Umgang mit dem Publikum. Keine sinnlosen Sprüche auf Kosten des Publikums, sondern die Zuschauer fühlten sich wohl und man merkte Ihnen an, sie haben auf jeden Fall Spaß. Durch einen Gast in jeder Show ist auch eine gewisse Abwechslung garantiert, wobei dies nicht immer ein Zauberer sein muss. Berlin hat auf jeden Fall ein kleines Zaubererlebnis mehr, der Einritt und die Getränke sind bezahlbar und das Erlebnis auf jeden Fall wert. Wer also Zauberkunst und Comedy in Berlin sehen möchte, ein Besuch im Verlängerten Wohnzimmer bietet sich an.

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