Eigentlich dachte ich, das Hütchenspiel sei längst überholt, doch weit gefehlt. Wenn man durch die City Berlins läuft, sieht man an allen möglichen, touristisch strategisch wichtigen Punkten, eingespielte und gut koordinierte Hütchenspieler. Also ich spreche hier von Falschspielern im wahrsten Sinne des Wortes, auch wenn es mir schwer fällt, den Hütchenspieler aus meiner Sicht als Unterhaltungskünstler, mit einem Falschspieler gleich zu setzen. Es ist erschreckend mit welcher Naivität ahnungslose Passanten stehen bleiben und wirklich glauben gewinnen zu können. Allein der Gedanke lässt mich erschaudern, man sollte doch meinen, dass wir gebildet und aufgeklärt sind, wird doch oft genug vor solchen Falschspielern gewarnt. In allen möglichen Gangsterfilmen sieht man Hütchenspieler, welche ihre ahnungslosen Opfer auf der Strasse suchen, offensichtlich auch immer wieder finden und dann auch noch erfolgreich abzocken. Vielleicht geht es mir ja auch nur durch so, bin ich durch meinen Beruf dafür sensibilisiert oder bilde ich mir dies nur ein?

Die Hütchenspieler Familie

Interessant zu sehen, wie die Gruppe aus verschiedenen Richtungen angeschlendert kommt, rein zufällig bleibt ein Mann stehen, dann eine schwangere Frau, ein Schüler und dann noch ein seriös wirkender älterer Herr im Anzug und schon geht es los. „Guckst du hier, wo ist die Kugel, ist nur 50 Euro!“ Und schon setzt der Mann tatsächlich einen Fünfziger und gewinnt, ja fass ich´s denn? Mittlerweile stehen ca. 5-8 weitere neugierige Deppen ähm Zuschauer und scheinen am Geschehen interessiert.

Der Lockvogel

Und schon nimmt der Hütchenspieler 2 Geldscheine und drückt sie einem Passanten in die Hand: „Hier kannst du setzen und gewinnen.“ Er mischt die Streichholzschachteln, der Zuschauer will offensichtlich falsch setzen und weitere Kompagnons warnen ihn und er setzt, Gott sei dank, grad noch richtig. Puh Glück gehabt und er kassiert sofort weitere 100 Euro :). Das sieht alles so einfach aus, passiert innerhalb weniger Sekunden und bevor auch nur alle darüber nachdenken können geht es schon weiter, der nächste setzt, überredet einen weiteren Zuschauer und was ist, nein der greift wirklich zum Portemonnaie und zieht Geld raus. Ich möchte schreien, innerlich tu ich es auch, doch keiner hört mich. Nur mein Kollege neben mir schmunzelt und sagt: tut weh das zu sehen oder? Ich bin fassungslos, kann ihm gar nicht antworten und starre zu dem Passenten. Setzt der Typ doch wirklich sein Geld und nein der gehört nicht dazu sein. Kopfschüttelnd stehe ich da und frage mich was kann ich tun?
Doch das schlimmste daran ist, ein paar Meter weiter, direkt vor dem ehemals Hugendubel, kniet der nächste Falschspieler und wieder heisst es: „wo ist der Ball, kannst du Fünzig Euro gewinnen.“ Mit meiner linken Hand umklammere ich eine imaginäre Lanze, fühle mich ein bisschen wie Don Quijote und ziehe mit meinem Freund kopfschüttelnd davon, was kann ich nur tun … ?

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