Hütchenspieler in Berlin

Kaum ist es etwas wärmer und die ersten Sonnenstrahlen sind zu spüren, kommen gewisse Leute auch schon angekrochen, breiten ihren Teppich mitten in Berlins City aus und legen los. Die Rede ist vom illegalen Hütchenspiel. Leider fallen immer wieder genügend Passanten darauf rein und dies hat nichts mit Pech zu tun.

Das Hütchenspiel oder auch Nussschalenspiel

Es klingt simple, doch glauben Sie Ihren Augen nicht, denn das Hütchenspiel ist eine Form des Trickbetrugs. Der Hütchenspieler verschiebt drei Schachteln (Hütchen, Nussschalen o.ä.) unter der sich eine Kugel befindet, man muss nur erraten wo. Um den Spieler herum stehen mehrere Passanten, die anscheinend am Mitspielen interessiert sind, sogenannte „Anreißer“. Der Spieler versteckt nun die Kugel unter einer der drei Schachteln und beginnt diese zu vertauschen und fordert dabei die interessierten Personen auf, den Verbleib der Kugel zu bestimmen. Nun kommt ein Bluff, einer der „Anreißer“ setzt jetzt einen Geldschein auf die Schachtel, unter der sich die Kugel befindet und gewinnt.

Damit wird dem vorbeilaufenden Passanten vorgegaukelt, man könne auf leichte Weise Geld gewinnen. Spielt nun ein Außenstehender mit, erhöht der Spieler die Geschwindigkeit beim Verschieben der Schachteln und lässt – für den Außenstehenden unbemerkt – die Kugel verschwinden. Somit hat man keine Möglichkeit zu gewinnen und verliert – immer!

Wenn man nun Protest einlegen will, kommt ein weiterer Beteiligter mit ins Spiel, er ruft plötzlich „Polizei“ und die Spieler sind weg – und da hat man noch Glück gehabt und kommt nicht noch mit einem blauen Auge davon 🙂 Denn oft werden auch mit Gewalt Einsätze eingefordert oder Beschwerden behandelt.
Nach Angaben der Polizei Berlin, sind besondere Anziehungspunkte für Hütchenspieler und Touristen der Alexanderplatz um den Fernsehturm herum, Schloßbrücke und Zeughaus sowie die Liebknechtbrücke mit dem angrenzenden Berliner Dom.

Der zuständige Polizeiabschnitt 32 hat neben den bereits laufenden repressiven Aktionen ein Präventionskonzept erarbeitet.
Ziel des Konzeptes ist es, die Berlinbesucher über die betrügerischen Absichten der Hütchenspieler aufzuklären und vom Mitspielen abzuhalten. Es werden Handzettel verteilt, Plakate veröffentlicht und sogar Lautsprecherdurchsagen und Filmspots mit Themenbezug abgespielt. Warnhinweise werden in Form von Lauftexten an den digitalen Anzeigetafeln der Haltestellen gegeben. Die Polizei ist regelmäßig an den Wochenenden mit einem Informationsstand am Zeughaus präsent. Zusätzlich ist täglich eine mobile Streife, die die entsprechenden Bereiche anfährt, unterwegs.

Und man sollte es kaum glauben, es gibt immer noch genug Leute die mitspielen und glauben gewinnen zu können. Den Spielern auf der Strasse muss man eins lassen, sie machen es jeden Tag und über Jahre hinweg, es sind also Profis und sie leben davon. Also Finger weg!

Im März diesen Jahres hatte ich eine Veranstaltungsreihe im Rahmen von „BMW erleben“, unter anderem agierte ich auch als Hütchenspieler und hatte somit Gelegenheit, das Spiel, die Leute und ihre Reaktionen zu testen. Es lief immer gleich ab, ich zeigte mehrere Möglichkeiten, dann eine einfache Routine und dann kam meine Frage: „Wieviel wollen Sie setzen?“ und ich holte manchmal einen Zehner oder Fünfziger aus der Tasche … Meistens musste ich nicht lange warten, einer wollte immer zocken, gepackt vom Ehrgeiz, oder schon etwas angetrunken oder einfach nur weil … Ja warum eigentlich, was treibt uns zu so einer Spielsucht? Natürlich habe ich nicht um Geld gespielt, sondern gezeigt, dass man keine Chance hat! Sei es nun beim Hütchenspiel, 3 Card Monte, Find the Lady oder Kümmelblättchen …

Hier noch etwas zum Rechtlichen:
Mit Hilfe eines vor kurzem gefälltem Gerichtsurteils (2006) wird der Betrugsnachweis beim Hütchenspiel für die Polizei nun einfacher.

In einer inzwischen rechtskräftigen Verurteilung eines Angeklagten durch das Amtsgericht Tiergarten gab die verhandelnde Richterin eine Begründung, die im Wesentlichen der von der Berliner Polizei bevorzugten Auffassung für den Betrugsnachweis beim Hütchenspiel entspricht.

Danach kommt es nicht darauf an, möglichst präzise zu beschreiben, wie der Trick funktioniert (was eine längere Beobachtung durch Polizisten erforderlich macht, die wiederum den Hütchenspielern oft auffällt, weil sie ihrerseits die Umgebung genau beobachten). Ausreichend für die Erfüllung des Tatbestands des Betruges ist es bereits, dass der Hütchenspieler dem Opfer eine Gewinnchance nur vorspiegelt, die er real aber nicht haben wird, weil es der einzige Zweck des Spieles ist, das Opfer um sein Geld zu prellen.

Zwischen Animier- und Spielphase ändert der Hütchenspieler – für den gutgläubigen Mitspieler nicht vorhersehbar – die Modalitäten. „Hierin liegt die beabsichtigte Täuschungshandlung“, so die Richterin.

Hier folgen weitere Berichte über Gambling, Glücksspiel oder Taschenspielertricks, also mal wieder vorbei schauen …

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