Berlin – Es gibt auch Überraschungen für Zauberer
geschrieben: 29. Oktober 2006 - noch keine Kommentare
Da hab ich mir vor einiger Zeit mal wieder ein Buch bestellt “52 Tips for Texas Holdem Poker” und bekomme kurze Zeit später eine Mail von Amazon, dass es gerade nicht lieferbar sei. Kein Problem, dachte ich mir, dann wart ich noch ein bisschen, zu lesen hab ich ja genug (z.b. “Nachtzug nach Lissabon” von Pascal Mercier oder Stephan M. Kalhammer’s – Texas Holdem Poker). Doch was hat die Bestellung eines Buches mit der Überraschung für einen Zauberkünstler zu tun? (Gleich.)
Gestern kam die Lieferung! Doch es waren zwei Bücher, 52 Tips für Texas Holdem und Daniel Kehlmann’s Buch “Beerholms Vorstellung”, womit ich natürlich erstmal nichts anfangen konnte. Auf dem Lieferschein stand mein Name, doch hatte ich es nicht bestellt, und spätestens hier merkt der aufmerksame Leser, dass es auch für einen Zauberer so etwas wie Zauberei gibt.
Ich setzte mich also an meinen Mac und begab mich in die unendlichen Weiten des World Wide Web, bei Amazon angekommen, sah ich in mein Konto unter Bestellungen, doch auch da war nichts zu finden. (Mal abgesehen davon, dass ich schon an mir zweifelte, denn so viel trinken tue ich nun auch nicht …) Wenn ich nur einen Anhaltspunkt hätte, oder eine Notiz bei dem Buch wäre, doch nein, also entschloss ich mich es zurück zu senden.
Da ich aber tagsüber wegen einer Veranstaltung nach Leipzig musste kam ich nicht gleich dazu, also blieb es liegen und das war gut so! Denn wieder zu hause angekommen, rief ich meine Mails ab und da war sie – “die Erklärung”, worauf bei einem Zauberer sonst die Zuschauer warten, ich aber in diesem Moment die Spannung verstehen kann.
Folgende Mail fand ich in meinem Briefkasten …
Hallo Victor, ich hatte Dir kurz von dem Buch erzählt. Hoffe, es gefällt Dir. Wollte mich damit nochmal für die letzte Einladung zur Veranstaltung bedanken. Der Abend hat uns sehr gefallen und war ziemlich interessant, auch das Gespräch …
Ist das Leben nicht schön, da freut man sich auch als Zauberer über solch kleine Überraschung. Danke Andreas und Joya!
PS: Und vor allem ist es auch gut zu wissen, dass ich nicht im stark alkoholisiertem Zustand, nachts heimlich Bücher bei Amazon bestelle.
Berlin – Wo übt ein Zauberer eigentlich seine Tricks?
geschrieben: 29. Oktober 2006 - noch keine Kommentare
Bei mir um die Ecke (Berlin – Wilmersdorf) hab ich eine Lieblingskneipe, im Sommer konnte ich draußen sitzen, das schöne Wetter genießen und in aller Ruhe einen Cappuccino trinken und ein Stück “hausgebackenen Kuchen” essen (die Tiramisu Torte war super lecker).
Abends traf man sich um vom Tag auszuspannen und über das Geschehene zu plaudern.
Matthias – der Chef, wohl der Typ Mensch, der dir sofort das Gefühl gibt, setz dich und erzähl erstmal, hier ist dein Bier, Wein, welchen Drink man auch hatte, sofort war er damit da. Wenn er nicht der Kneiper wär, könnte man glatt denken ein guter Freund :), für viele ist er dies wohl im Laufe der Zeit auch geworden.
Und was gibt es schöneres für einen Zauberer in Berlin, als abends die Kunststücke live zu probieren, welche man tagsüber geübt hat. Ob nun einen Kartentrick, ein Münzverschwinden oder etwas mit der Zigarette des Gastes, ein Zauberer hat immer was zu üben und kann auch improvisieren. Kritik und Dank gibt es sofort, entweder in Form eines kleinen Applauses oder, was für den Kneiper ja auch wieder gut ist, ein Bier und dann kommen die Fragen: Wie hast du das gemacht? Erzähl doch mal …
Und das Schöne ist, am nächsten Tisch fragt man nun schon nach dem Zauberer, wann kommt er zu uns?
Natürlich muß man mit Sprüchen wie: “He Zauberer, ich möcht zahlen, kannste mal Geld zaubern” leben, kein Problem: “Suchen Sie sich irgendeinen Bierdeckel aus.” Dann wird der schnell geknickt, aufgerissen und schon erscheint ein Geldschein … oder ein Kronkorken verwandelt sich in ein zwei Eurostück.
Letzten Sonntag habe ich mit zwei Zauberfreunden aus Berlin eine kleine Show gegeben, wir wollten ein paar neue Kunststücke probieren. Alles lief bestens, die Gäste staunten, die Kunststücke funktionierten und erzielten somit ihre Wirkung, das Feedback war toll.
Doch leider gab es danach eine nicht so schöne Nachricht, denn Matthias – der Chef kam zu mir und meinte er müsse schließen, nein nicht für heute – für immer. Auch wenn es für uns nur ein kleiner Trost ist, so zu sagen noch eine “Abschiedsshow” gegeben zu haben. Die Green Travel Lounge in Berlin gibt es nun leider nicht mehr. Matthias, du wirst uns fehlen!
Berlin – Das Kind im Manne
geschrieben: 1. August 2006 - noch keine Kommentare
Schon die äußere Erscheinung läßt auf einen Löwen schließen. Schlank, aber nicht dünn, muskulös, aber nicht bodybuilderhaft.
Das rote Jackett schafft einen gewollten Kontrast zur schwarzen Hose. Die gewählte Krawatte sitzt korrekt auf dem stets knitterfreiem Hemd. Dazu passende Schuhe. Der stolze Gang vermischt sich mit einem Touch Lässigkeit, die Ausstrahlung mit erarbeitetem Selbstbewußtsein – was allzuoft als Arroganz empfunden wird.
Dieses ganze Snob-Dasein zerbricht jedoch, bahnt sich auf Deutschlands überfüllten Straßen ein Autorennen an. Das Kind im Manne erwacht. Selten vergreift sich der großmütige Löwe an einem Schwächling.
Sonntagsfahrer werden mit einem eiskaltem Lächeln abgezockt. Interessant wird es, wenn der Löwe auf einen Rivalen stößt. Aber auch dann verliert er nichts an seiner Lässigkeit.
Der Krawattenknoten wird gelockert, sich leger nach hinten gelehnt und der Kampf beginnt: Zuerst reizt er seinen Gegner mit geblufften Angriffen bis dieser Ãrgerlich und aggressiv reagiert. Dabei fixiert er sein Opfer genau. Die Augen weit aufgerissen, den Mund zu einem spöttischem Lächeln zusammengezogen. Er nähert sich dem Rivalen, läßt sich wieder zurückfallen. Er setzt zum überholen an, scherrt aus- und wieder ein. Langsam wird es gefählich. Die Strecke ist jetzt kurvenreich. Doch der stolze Löwe will mit aller Gewalt überholen. Er will der Sieger sein.
Der eiserne Wille, die Zähigkeit spiegelt sich auf seinem Gesicht wider. Die Züge werden mit einem Male härter, die Lippen aufeinandergepreßt, die Augen starr vor Konzentration. Der Körper spannt sich, die Hände umschließen das Lenkrad. Er atmet nocheinmal ein, scherrt plötzlich vor der letzten Kurve aus, tritt das Gas und schießt vorbei. Ja, der energiegewaltige Löwe liebt den Nervenkitzel, liebt die Gefahr und das Risiko – auch mit rotem Jackett, knitterfreiem Hemd und Designerkrawatte.
Geistiges Modell – V.L. ist im Sternzeichen des Löwe geboren.
Er liebt die Gefahr und das Risiko, zum Beispiel beim Autofahren.
Na da sag ich doch mal danke liebe H., obwohl ich mittlerweile etwas ruhiger geworden bin, der Spruch passt ja trotzdem noch. Die Zeilen waren, als kleine Erinnerung in der Post, schön! ch freue mich immer auf diesen Tag im Jahr, ein paar nette Briefe, Glückwunschkarten, Fotos, Mails und Anrufe …
Berlin – Freunde und Überraschungen …
geschrieben: 1. August 2006 - noch keine Kommentare
Der aufmerksame Leser meiner Seite wird es vielleicht bemerkt haben, im Profil des Zauberer steht Sommer 1966, yep – ich habe genullt und dieses WE ein bisschen gefeiert. Eigentlich wollte ich mich ein wenig zurück ziehen, ein Überbleipsel aus der Schulzeit, denn schliesslich waren an meinem Geburtstag immer Ferien und dem zu folge auch fast alle im Urlaub und ich feierte allein. Vielleicht kommen daher die vielen Kartentricks, eine einsame Kindheit!? (aber auf jeden Fall wurde damals immer mit Freunden nachgefeiert, nicht dass der ein oder andere denkt, ich bin ein Kind von Traurigkeit!)
Also ging ich am Freitag in meine Lieblingkneipe (GreenTravelLounge Berlin) um in aller Ruhe in besagten Tag hinein zu feiern, was sich als Fehler erwies, denn es ist ja nicht umsonst meine Lieblingskneipe … Nach einem leckeren Abendessen und einer Zigarre kamen ein paar neue Gäste, dessen Gesichter mir allerdings bekannt vorkamen. Und ich dachte schon, da an diesem Abend Robbie Williams auftritt, die meißten wohl hin wollten, kommt keiner auf dumme Gedanken, doch weit gefehlt.
Irgendwie bahnte sich alles perfekt an, ging ineinander über und verlief bestens, wohlgemerkt ohne mein Zutun. Man stelle sich eine Show vor, der Moderator macht gerade Pause, doch alles ist minutiös geplant. Matthias, was der Chef der Kneipe ist, hatte Sekt kalt gestellt, es gab eine Runde aufs Haus, plötzlich fingen ein paar an zu singen, wenn ich dies in Filmen sehe frage ich mich immer, wer macht das eigentlich noch und warum? Ich frag nicht mehr! Mein Handy klingelte sturm, Freunde & Gäste wollten mir gratulieren, ach ja, ich hab schon ein bisschen schmunzeln müssen, es tut gut wenn man solche Freunde hat.
Die Glückwünsche und Geschenke erspare ich euch mal lieber, sonst würde ich noch weiter ausholen, obwohl auf das Geschenk von … Nein.
Also, ich danke euch allen, Frank, Jan, Olli, Melanie, Tina, Ray, Matthias, Ralph, Sven & Tanja, Inge & Mike …
Berlin – Der Sommer geht in die Verlängerung
geschrieben: 18. Juli 2006 - 1 Kommentar
Nach dem kollektiven Fußballtaumel (danke liebe Deutsche Nationalmannschaft!) gibt es keinen Anlass, in eine Post-WM-Depression zu verfallen. Endlich bleibt wieder Zeit für die wichtigen Dinge: Zauberkunst, Poker, Cappuccino, hier ein paar Gründe, warum der Sommer auch ohne Fußball lebenswert bleibt …
Die ersten Wochen dachte ich immer, dass es an der WM liegt, dass die Leute alle so aus dem Häuschen sind, doch nein, mittlerweile ist mir klar, es liegt am Wetter. Bei diesen Temperaturen muss Mensch durchdrehen – Fußball hin oder her. Wetten, dass die Kneipen mit ihren Biergärten und Freiterassen, heute, morgen und übermorgen genauso voll, wenn nicht voller sein werden als während der WM? Schließlich gibt es keine Fanmeile mehr. Wo soll Mensch in Sommernächten wie diesen denn sonst auch hin? In der stickigen Wohnung bleiben, wo selbst weit geöffnete Fensterflügel keine Kühlung bringen? Früh ins Bett, um dann nicht schlafen zu können? Dann doch lieber gleich auf der Straße die Nacht zum Tage machen, Unmengen von Flüssigkeit in sich hineinkippen und Nonsens reden. Gerade der Tage sind doch noch hunderttausende von Nationaltrainern unterwegs :)
Da war doch noch was: Ach ja, die Liebe. Ob sie gelitten hat in den letzten vier Wochen? – Auf jeden Fall fehlen ihr mindestens 64 mal 90 Minuten. 5.760 Minuten sind das, wenn man es ausrechnet. Das macht 96 Stunden oder vier Tage. Die Nachspielzeiten, Verlängerungen und Elfemeterschießereien nicht mitgerechnet. Insgesamt gilt es, festzuhalten: Vier volle Tage Lebenszeit – Schlaf nicht eingerechnet – sind bei Fußballbegeisterten fürs Fußballgucken verschwendet worden. Wie die Liebe diese verlorene Zeit je wieder gutmachen wird, das steht dahin. Aber die Hauptstadt der Singles zeigt sich getreu dem Motto “verliebt in Berlin”.
Im letzten Monat hat sich eine Weltmeistersprache aus Begeisterungsvokabeln und Superlativen wie Zuckerguss über die nüchterne deutsche Sprache gelegt: Allerorten beschwor man Wunder und feierte Helden, Titanen, Fußballgötter und Zauberer, gelegentlich wurde sogar die Hand Gottes gesichtet.
Der kollektive Hang zum Pathos erfasste nicht nur Fußballkommentatoren, sondern auch Politiker, Feuilletonisten und ganz normale Berliner. Wer einmal gehört hat, wie Fußballfans einen knapp eins neunzig großen Mann als “Odonkor, Zaubermaus” bejubeln, wünscht sich staubtrockene Vokabeln wie “Strukturreform” oder “Antidiskriminierungsgesetz” herbei. Plattitüden wie “Die Welt zu Gast bei Freunden” oder “Weltmeister der Herzen” gehören genauso in die Sprachmottenkiste wie “schwarz-rot-geil” als Formel des “neuen, leichten Patriotismus”. Der darf ja gerne bleiben, ebenso wie die Schwalbe, sofern sie ein Tier ist. Auch der Bundestrainer darf bleiben, aber statt Klinsi mit kollektivem Possessivpronomen könnte man ihn einfach mal wieder bei vollem Namen nennen.
Kaum zu glauben war der gewaltige Wandel was die Höflichkeit der Berliner betraf, die sonst so sture Betonmentalität änderte sich während der WM. Busfahrer sprachen plötzlich Englisch, selbst 20-jährige Kunstgeschichtestudentinnen aus Mitte lächelten Unbekannte an. Das könnte zum großen Ziel Berlins für die kommenden Jahre werden! Nicht nur “arm, aber sexy” könnten die Hauptstädter sein.